Kunststeinreplikation

Von Naturstein- zu Kunststeinfassaden

Als zur Jahrhundertwende, besonders in der wilhelminischen Zeit, ganze Stadtviertel mit reichlich geschmückten und verzierten Fassaden aus Naturstein oder Kunststein entstanden, veränderte sich die Situation auf dem Markt. Die Nachfrage nach Bauteilen aus Naturstein stieg rasant an und die Preise für rohes Material und seiner Verarbeitung gingen in die Höhe. Sowohl die begrenzte Anzahl an Steinmetzen, deren Verarbeitung von Stein Stücke zur Verwendung für Fassaden schuf, wie auch an Maurern, die diese Stücke zu Fassaden zusammenfügten, ließen nicht die erforderliche Steigerung der Produktivität zu, um die Nachfrage zu decken.

Um trotz dieser Problematik den Ansprüchen der damaligen Fassadengestaltung nachzukommen, begann man, den Außenputz der Gebäude so zu verarbeiten, dass der Anschein einer durch Teile aus Stein zusammengefügten Fassade entstand. Mit vorgefertigten, en masse hergestellten Negativformen konnten auch weniger talentierte Arbeiter jegliche Formen verwenden und diese direkt an der Steinmauer bzw. dem Mauerwerk anbringen. Zur Herstellung der kunstvollen Außenhüllen fanden zementbasierte Mörtel Verwendung, deren Grundzutaten in großen Mengen zu günstigen Preisen erhältlich waren, sodass die Replikation wiederkehrender Teile an einer Fassade teilweise zur Massenproduktion wurde.


Nachteile von Kunststeinfassaden

Nachteilig an dieser Konstruktionsart ist, dass die äußerst harte Außenhülle über große Flächen hinweg gespannt und damit anfällig für schwundbedingte Rissbildung ist. Besonders bei Fassaden mit einer sonnenbegünstigten Ausrichtung ist dies zu beobachten. Die Rissbildung an sich ist weniger Schaden als Makel, erleichtert jedoch den Eintritt von Regenwasser in die Wand, was zwei Bestandteile im Inneren des Fassadenaufbaus angreift:

  1. Die Bimssteine, die als leichtgewichtiges und haftungsverstärkendes Material zum Zwecke der Füllung auskragender Bauteile wie Balkone, Fensterbänke oder Gesimse verbaut wurden, verlieren ihre Beständigkeit und lösen sich auf.
  2. Stahlteile, deren Stabilität die gesamte Bauweise überhaupt ermöglicht, werden sehr oft nass und korrodieren.

Als Folge daraus müssen diese Stahlteile nach nun über 100 Jahren oft vollständig ausgetauscht werden. Diese zu erreichen, ohne den gesamten umliegenden Aufbau zu entfernen, ist äußerst kompliziert und bedarf vorsichtiger Planung und eingehenden Wissens bezüglich der Art des Aufbaus und der darauffolgenden Kunststeinreplikation.


Herausforderungen der Wiederherstellung

Heute fehlen Vorsicht und Wissen fast immer, was meistens in unbedachten Abrissen mit extrem problematischen und kostspieligen Wiederherstellungsprozessen endet. Die damalige Bauweise bietet kaum Reserven, um die bei einer heutigen Kunststeinreplikation gestellten technischen Anforderungen zu erfüllen, wie es bei den im Vergleich zu damals nun doppelt so belastbaren Balkonen der Fall ist. Zudem gibt es keine Fertigungsbetriebe mit bereits etablierten Herstellungsprozessen und -strukturen, um nötige Ersatzteile wirtschaftlich herzustellen, geschweige denn die heute verfügbaren Grundstoffe zu verarbeiten. Aktuell ist es so, dass jedes zerstörte Bauteil aufwändig als Einzelstück angefertigt werden muss.

Ausschlaggebend für eine heutige Instandsetzung von Schäden ist die Art und Weise der in der Vergangenheit getätigten Reparaturarbeiten. Bei einer zu Rissen neigenden, trotzdem äußerst harten Außenhülle mit unbekanntem Innenleben lag es nah, wiederholt Risse notdürftig zu schließen und mit Farbe zu übermalen. Oft wird nach jahrzehntelanger Vernachlässigung der Bedarf an Kunststeinreplikation sichtbar, wenn korrodierte Stahlteile nachgeben oder durch Rostsprengungen ganze Zementteile herunterfallen.

Seitens der Denkmalpflege werden bei Fassaden aus Kunststein weitaus flexiblere Anforderungen an eine Wiederherstellung des Ursprungszustands als bei Natursteinfassaden gestellt. Bei der Kunststeinreplikation stehen optische Wiederherstellung und Erfüllung baubehördlicher Vorgaben im Vordergrund, während die Materialauswahl kaum ideellen Aspekten unterliegt. Allerdings ist dies äußerst schwierig mit einer wirtschaftlichen Arbeitsweise zu vereinbaren. Beispielhaft wäre hier die Herstellung einer kostspieligen Negativform, um insgesamt drei Wandteile mit dem gleichen Muster zu produzieren.



Kunststeinreplikation durch die Falco Krebs GmbH

Bei Instandsetzungen beschädigter Teile ist die wichtigste Entscheidung, außer Stützmaßnahmen keine Eingriffe vorzunehmen, ohne vorher über die Ausführungsweise der späteren Kunststeinreplikation im Bilde zu sein. Selbst die typischerweise von Statikern erwünschte Gebäudeöffnung zum Zwecke einer Einschätzung des Zustands der Fassade erzeugt bereits unvorhersehbaren Aufwand bei der Wiederherstellung. Erst wenn geklärt ist, welche Eingriffe welche Reparaturen nötig machen, kann gezielt nach Schwachstellen gesucht werden.

Stahlteile befinden sich an bestimmten Stellen, Aufhängungsvorrichtungen ebenso – mit geschickten Bohrungen oder Fräsarbeiten kann die Außenhülle vorsichtig und punktuell geöffnet werden, um z. B. Zugang zur dahinterliegenden Wand zu schaffen. Sollte danach korrodierter Stahl gefunden werden, kann immer noch methodisch Substanz entfernt werden, ohne diese zu beschädigen. Die Außenhülle bleibt, gleich einer Vase, auch in Scherben wiederverwendbar.

Ist ein vollständiger Abbau nicht zu vermeiden, sind detailliertes Aufmaß für Negativformen zur Herstellung und Verarbeitung neuer Teile oder auch der Bau der Negativformen direkt vor Ort in diesem Stadium ein Leichtes gegenüber z. B. dem kompletten Neubau eines abgebrochenen Balkons. Ist die Originalform nicht mehr vorhanden, muss für jede Negativform zur Wiederherstellung zuerst ein Positiv oder ein Muster durch Modelleurarbeiten hergestellt werden.